Unsicherheit /Strukturen/Freiheit

In den letzten Wochen ist mir klar geworden, wie wichtig es ist, dass die Führungsperson in einem Betrieb Struktur gibt. Mitarbeiterinnen, die ihren Handlungsspielraum und deren Grenzen nicht erleben - nicht wahrnehmen können, werden meist böse und destruktiv. Sie nehmen sich Freiheiten, übernehmen den vernachlässigten Machtspielraum und vorallem vergessen ihre eigene Aufgaben sowie auch ihre ihnen zugewissene Rolle. Die Folge davon ist, dass sich vehemente Konflikte anbahnen. Die Unsicherheit greift um sich.

Eine äusserst diffizile Situation für den Betrieb. Denn es ist für die Führungsperson ausgesprochen schwer, ihren Machtbereich und ihre Führungsverantwortung wieder wahrzunehmen ohne Personalwechsel. Sie müsste sich ihren Verantwortungsbereich neu erkämpfen. Kämpfe sind nie gut. Ich sehe, dass es unter Frauen zusätzlich schwer ist, sich als Führungsperson zu behaupten. Denn befehlen lassen sich Frauen in der Regel nichts ausser es käme von einem Mann. Traurig aber wahr.

Frauen haben unter sich wenige bis keine Erfahrungen mit Hierarchien. Wir Frauen wir sind alle so “nett” und vorallem “gleich”. In einem hierarchisch organisierten Betrieb mit einer Leitungsfrau gilt es also in den Strukturen, in den Arbeitsabläufen, in den Rollenzuweisungen deutlich sichtbar zu machen, wer welche Verantwortungen und Entscheidungskompetenzen hat. Konkret bedeutet das für die Leitungsfrau, dass sie einen Rahmen setzen muss, in dem sich ihre Mitarbeiterinnen orientieren können.

Kommunizieren, Befehlen, Sagen funktioniert bei den Frauen nicht oder nur wenig. Frau muss es leben und erleben. Zudem muss eine Struktur sinnvoll sein. Die Mitarbeiterinnen sollten von selber merken, dass sie sich damit sicherer fühlen. Innerhalb eines (vor)gegebenen Rahmens lässt es sich frei arbeiten, gestalten, mitbestimmen, dabei sein.

Vor einigen Tagen hat mir eine Frau ein schönes Bild für diese Situation gezeichnet. Stellen sie sich vor, sie schwimmen im See vom Ufer weg. Es gibt nichts schöneres als in den offenen weiten See hinauszuschwimmen. Ein Gefühl von Freiheit und Leichtigkeit. Jede/r dreht sich früher oder später um und schaut ans Ufer zurück. Nach dem Moment der Freiheit suchen Menschen auch wieder Orientierung. Freiheit und Orientierung gehören zusammen.

Rahmen geben, Struktur einhalten, Grenzen setzen sind Voraussetzungen für das Erleben von Freiheit. Beides in einer gesunden Balance ermöglichen konstruktive, produktive und effiziente Zusammenarbeit.

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