Zwei Stunden
Der Arbeitstag hat 8 Stunden. Eine Offerte für ein Projekt wird mit einem Aufwand von 10 Personen-Tagen veranschlagt. Nach Adam Riese ist also selbiges innert 2 Arbeitswochen (à 5 Tagen) beim Kunden abgeliefert.
Die Realität - wir wissen es alle - sieht komplett anders aus. Eine uralte Informatiker-Regel besagt, dass man, um eine Projektdauer abzuschätzen, folgende Rechnung machen muss:
Geschätzter Aufwand mal zwei, in der nächst höheren Zeiteinheit.
Rechenbeispiel:
- 3 Stunden werden zu 6 Tagen
- 2 Tage werden zu 4 Wochen
- 4 Wochen werden zu 8 Monaten
und so weiter. Natürlich ist es in der Realität nicht so. Dennoch steckt in diesem simplen Rechenbeispiel ein Körnchen Wahrheit. Es dauert einfach länger, als man erwartet. Wo liegt der Grund dafür?
Sicher unterscheiden sich Informatikprojekt von - sagen wir - Bauprojekten. Ein Handwerker weiss z.B. einfach, dass 64 m2 Boden verlegen soundso-viel Tage braucht. Die Probleme, die beim Boden legen auftreten können sind bekannt und der erfahrene Handwerker weiss, wie lange es dauert, sie zu lösen. In der Informatik geht es in der Regel etwas unberechenbarer zu und her. Trotzdem kann man nicht einfach global diesen Unabwägbarkeiten die Schuld für Verzögerungen im Projekt geben.
Ein viel bedeutender Einfluss, meiner Meinung nach, ist folgendes: Der Handwerker beginnt um 7:00, arbeitet bis 9:00 und macht dann seine Pause. Um 12:00 ist Mittag fällig und 13:00 geht’s weiter. 15:00 die nöchste Pause und 17:30 wird der Hammer hingelegt. Und jedesmal kann er zwei Stunden ungestört arbeiten.
Wann haben sie das letzte mal 2 Stunden ungestört gearbeitet? Und wieviel haben sie dabei erreicht? Eben.
Was uns fehlt, ist die Einsicht, dass wir nicht in 10 Minuten Häppchen arbeiten können.
- Ein Anruf, der gerade eine Minute realer Zeit verschlingt, kostet sofort 10 Minuten, bis wir wieder im Thema sind. (Menschen können deutlich langsamer einen Kontext wechseln, als Computer)
- Ein Email Programm, dass akustisch (oder noch schlimmer optisch - am besten mit einer Dialogbox, die man wegklicken musss) auf neue Mail aufmerksam macht unterbricht den Gedankenfluss
- Ein Newsreader, der alle 30 Minuten neue Artikel aus der Blogosphere holt, ist ein ständiger Quell der möglichen Ablenkung
- Der Webbrowser (und mit ihm die Verlockungen im Internet zu surfen) sowieso
Was tun? Jeden Tag 2 Stunden Zeit reservieren, in denen wir an einem Thema arbeiten. Keine Ablenkung durch Telefon, Email, Sitzungen, Internet, Blogs, Kollegen.
Sie werden sehen, die Zeitschätzungen die sie abgeben und die effektive Zeit die für das Erreichen eines Projektes benötigt sind werden wieder genauer Übereinstimmen.
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