Burn Out
Gerade in meiner Arbeitsumgebung sind MitarbeiterInnen gefährdet in ein “Burn out” zu geraten. Als Vorgesetzte habe ich einen leitenden Mitarbeiter erlebt, der sich innerhalb einiger Monate völlig verausgabt hat und dementsprechend daran zerbrochen ist.
Dieser Mitarbeiter zeichnete sich durch sein ausgesprochen hohes Engagement und seinen Wunsch nach Perfektion aus. Durch seinen eigenen übergrossen Anspruch an sich selber, hat er sich in eine Handlungsunfähigkeit hineinmanövriert, aus der er nicht mehr entfliehen konnte. Allen alles recht machen. Immer alles so arrangieren, dass es für ihn perfekt war. Nur leider kam er durch seine zögerliche Art oft zu spät. Alle anderen waren längst weiter. Damit wurde mein Mitarbeiter erfolglos und frustiert. Er hat aber nicht mit Rückzug, Entlastung oder Abbau reagiert, sondern mit einem noch grösseren Engagement, mit noch grösserem Zeiteinsatz. Eine völlig unheilvolle Spirale hat sich da um diesen Mitarbeiter gesponnen.
Als Vorgesetzte dieses Mitarbeiters fand ich es total schwierig in dieses Geschehen einzugreifen. Kritik, Verbesserungsvorschläge, Anregungen verstärkten das Symptom. Unterstützung, Begleitung, Präsenz halfen auch nicht wirklich. Der Mitarbeiter war innert kurzer Zeit nicht mehr aufnahmefähig.
Unsere verfahrene Situation hat sich dahingehend geklärt, als dass der Mitarbeiter gekündigt hat. Für mich war diese Lösung nicht das gelbe vom Ei, aber dennoch eine längst fällige Lösung.
Im Nachhinein muss ich eingestehen, dass ich die Situation nicht genug früh erkannt und zu allem weit unterschätzt habe. Als Führungsverantwortliche habe ich daraus gelernt, dass es gilt aufmerksam zu sein. Heute würde ich Ferien verordnen - Distanz fordern von der betroffenen Person. Ich würde mein/e MitarbeiterIn möglichst früh zumindest teilweise aus dem Verkehr ziehen.
An diesem Mitarbeiter habe ich mich schuldig gemacht. Ich habe zuspät erkannt.
Nicht zuletzt auch sich selber zuliebe, müssen solche Abläufe wahrgenommen und die entsprechenden Massnahmen getroffen werden. Denn alle Beteiligten leiden enorm unter der verheerenden Eskalationsspirale. Die entstehende Eigendynamik ist unwahrscheinlich schwer zu durchbrechen. Deshalb wehret den Anfängen!